Knorpelzelltransplantation

Die Knorpelzelltransplantation ist eine High-Tech-Methode, die in den letzten Jahren weiterentwickelt wurde. In mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass mit dieser Technik auch erstmalig größere Knorpelschäden erfolgreich behandelt werden können.

 

Knorpel

Knorpelgewebe in Gelenken findet sich immer dort, wo Bewegungen ablaufen. Knorpel ist ein elastisches Gewebe, das den Knochen im Gelenkbereich überzieht und als Puffer dient.. (Abb.1)

Knorpelschäden

Manchmal kommt es zu einer Ausdünnung des Knorpels in einem kleinen bis mittelgroßen Areal des Gelenkes. Ursache dafür können Verletzungen, Über- oder Fehlbelastung sein; Knorpelschäden können aber auch ohne ersichtlichen Grund auftreten, wie zum Beispiel bei der sog. Osteochondritis dissecans. Bei dieser Erkrankung stirbt ein umschriebener Knochen/Knorpelteil im Gelenk ab und die Folge sind Schmerzen. Manchmal entstehen Knorpelschäden (Abb.2) auch nach sog. Begleitverletzungen wie Meniskusschäden oder Kreuzbandrissen. Auch Fehlstellungen des Gelenkes können für die Entstehung eines Knorpelschadens verantwortlich sein. So führt etwa ein O-Bein häufig zu Knorpelschäden an der Innenseite des Kniegelenkes. Von den oben erwähnten umschriebenen Knorpelschäden sind jene abzugrenzen, die das gesamte Gelenk betreffen. Hier sprechen wir von Abnützungen (Arthrose) und als Behandlung kommt meist nur noch das Einsetzen eines künstlichen Gelenkes in Frage.

Operative Behandlung

Mit der Einführung der Knorpelzelltransplantation (Abb.3) konnte erstmals ein hochgradig knorpelähnliches Ersatzgewebe im Knorpeldefekt erreicht werden. Untersuchungen im Mikroskop zeigen eindeutig, dass das Gewebe, das nach einer Knorpelzelltransplantation entsteht, im Vergleich zu anderen Therapien ursprünglichem Knorpelgewebe am ähnlichsten ist. Bei der Knorpelzelltransplantation wird im Rahmen einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) Knorpel aus jenen Teilen des betroffenen Gelenkes entnommen, die sonst weniger stark belastet sind. Die Mengen, die entnommen werden sind sehr klein (in der Größe eines halben Kleinfingernagels) und beeinträchtigen das Gelenk nicht. Die in diesem Knorpelstück befindlichen Zellen werden dann unter besonderen Sicherheits- und Reinheitsbestimmungen im Labor gezüchtet und auf mehrere Millionen Zellen vermehrt. Die Zellen werden dabei auf unterschiedlichen Trägermaterialien (Vliese) gezüchtet. Nach wenigen Wochen kann dann dieses Vlies mit den Knorpelzellen in den Defekt eingebracht werden. Hierzu ist meist nur ein sehr kleiner Hautschnitt notwendig.

Nach der Operation wird das betroffene Gelenk beim Gehen mit einer Schiene vor heftigen Bewegungen (z. B. Stolpern) geschützt und das Gelenk kann auch 6-8 Wochen wenig bis nicht belastet werden. Prinzipiell stehen jedoch die operierten Patienten schon am 2. Tag nach der Operation auf, allerdings ist das Entlasten mit Krücken notwendig. Von Beginn an ist eine intensive Heilgymnastik, die auch nach der Entlassung nach wenigen Tagen, weitergeführt werden sollte. Sind aufgrund eines Bandrisses oder einer Gelenkfehlstellung noch weitere Eingriffe neben der Zelltransplantation notwendig, werden diese normalerweise im Rahmen der Transplantation beim 2. Eingriff durchgeführt. Knorpelzelltransplantationen wurden weltweit erstmals Anfang der Neunzigerjahre in Schweden durchgeführt.

Manchmal ist eine Knorpelzelltransplantation nicht nötig oder möglich. Auch hier gibt es Erfolg versprechende Operationen.

Bei der sog. Mosaikplastik werden ganze Knochen-Knorpelzylinder aus gesunden Gelenkanteilen mit einem Spezialinstrumentarium gewonnen und in den Knorpeldefekt hineingesetzt. Diese Methode kommt eher bei kleineren, schmerzhaften Knorpelschäden mit Knochenbeteiligung zum Einsatz. Der Vorteil der Mosaikplastik liegt in der nur einmal notwendigen Operation.

Bei der sog. Mikrofrakturierung werden im Rahmen einer Arthroskopie mit kleinen Stösseln Löcher in den Knochen, der unter dem Knorpelschaden liegt, gemacht. Damit können Zellen aus dem Knochenmark in den Schaden einwandern und es kann Narbengewebe entstehen. Auch diese Methode bedarf nur einer Operation und ist eher für kleinere Knorpelschäden geeignet.

Mehr wissenswertes finden Sie auch im Patientenratgeber von Univ.-Prof. Dr. Dorotka „Gesunde Gelenke, 2. Auflage“ (siehe Buchtipp, rechte Spalte)

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Dr. Dorotka bei John Harris Abb.1: Knorpelzellen 1000-fach vergrößert

Dr. Dorotka bei John Harris Abb.2: Großer Knorpeldefekt im Kniegelenk im Rahmen einer Gelenkspiegelung

Dr. Dorotka bei John Harris Abb.3: Schema der Knorpelzelltransplantation

Dr. Dorotka bei John Harris Abb. Fertiges Vlies mit gezüchteten Knorpelzellen

Buchtipp

Dr. Dorotka Publikationsliste Doz. Dr.med. Ronald Dorotka
GESUNDE GELENKE
Hilfe bei Knorpelschaden und Arthrosen
Inhalt:
Es gibt kaum jemanden, der nicht irgendwann über Beschwerden im Kniegelenk klagt, nicht selten beginnt das schon im Kindesalter. Und je älter man wird, desto verbreiteter und intensiver können schmerzhafte Gelenkeinschränkungen werden. Letztendlich sind dann Operationen oft unumgänglich. So vielfältig die Beschwerden sein können, so unterschiedlich sind auch die Ursachen. Nicht nur bei Patienten, sondern auch bei Ärzten bestehen manchmal Unklarheiten über die Gründe von Gelenkschmerzen. Bei allen möglichen Ursachen sind häufig Veränderungen des Gelenkknorpels für die Schmerzen verantwortlich. Aber nicht jeder Knorpelschaden ist gleich zu behandeln. Dieser Ratgeber zeigt, warum es zu Veränderungen in unseren Gelenken kommt, wie man sie erkennt und welche Behandlungsformen auf dem schnellsten Weg zur Schmerzfreiheit führen.
124 S., zahlr. Farbabb., brosch.; Deutsch Verlagshaus der Ärzte, 2010
ISBN 978-3-902552-87-7
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Verlagshaus der Ärzte